Stellingen, 31. August 2026
Einer steht schon im Wasser. Die anderen warten am Rand. Hinter dem Zaun fährt ein Auto.
Der erste Fuß geht vorsichtig rein. Das Wasser ist kalt, der Boden der Wanne glatt. Ein Kind hält sich am Zaun fest. Ein zweites lacht und zieht trotzdem die Socken aus. Hinter den fünf hellgrünen Wannen liegt der Holzschnitzelweg, davor Efeu, irgendwo ein Ball. So fängt der Vormittag in der Kita Stellingen an, wenn die elbzwerge barfuß laufen: nicht mit einer Ansage über Natur, sondern mit nassen Zehen.
Die Reihe ist kurz. Wasser. Grober Mulch. Sand. Blätter. Ganz hinten knistert blaues Papier, das sich anfühlt wie nichts aus dem Garten, und genau deshalb reden die Kinder darüber. Wer durch ist, dreht sich um und geht nochmal. Manche bleiben im Mulch stehen und wühlen mit den Zehen. Manche hüpfen über das Wasser. Ein Kind setzt sich daneben und schaut nur.
Das ist der ganze Plan. Kein Arbeitsblatt. Kein Kreisgespräch über den Wald. Fünf Wannen am Zaun, und jedes Kind entscheidet selbst, wie lange es braucht.

Irgendwann bleibt jemand in den Blättern stehen. Sie sind kühl und rutschen weg. Der Mulch daneben ist dasselbe Material, nur später: Holz und Laub, das schon zerfallen ist. Der NABU schreibt das für den Hausgarten ganz nüchtern. Laub, das liegen bleibt, wird von Bodenlebewesen abgebaut und am Ende zu Humus. Dünger, den niemand gekauft hat. In der Wanne kann man das anfassen, bevor es Erde ist.
Sand hält Wasser oder lässt es durch. Das merkt man, wenn man vom nassen Fuß in die trockene Mulde wechselt. Niemand muss dazu „Kreislauf“ sagen. Die Kinder haben ihn an der Sohle.
Ulrich Gebhard von der Universität Hamburg warnt davor, aus solchen Momenten sofort eine Unterrichtsstunde zu machen. In Naturerfahrung und Kulturelle Bildung schreibt er: Beim Spielen draußen zählt zuerst die Stimmung. Die spontane Geste des Kindes. Biologie kommt später, wenn überhaupt. Deshalb lassen wir den Pfad eine Weile einfach stehen. Wer will, läuft. Wer will, bleibt am Rand. Wer fragt, was der Mulch ist, bekommt eine Antwort. Wer nicht fragt, hat trotzdem nasse Füße gehabt.
Wie wir den Garten sonst in den Tag holen, steht in unserem Konzept. In Stellingen reicht an diesem Vormittag oft schon der Wechsel von einer Wanne in die nächste.


Wer den Garten live sehen will: Kita Stellingen. Einen Platz kann man vormerken.