Stellingen, 11. August 2026
Schmetterling, Biene, Käfer: Was passiert, wenn Kinder Modellgips in kleine Formen gießen?
Die blaue Form sieht aus wie ein Blatt voller Mini-Tiere. Schmetterling hier, Biene dort, Käfer daneben. Daneben die weiße Schüssel, der Schneebesen, der Beutel mit der Aufschrift Modellgips. Ein Kind hält den Löffel schräg, damit nichts danebenläuft. Ein zweites wartet mit dem nächsten Löffel. So sieht ein Vormittag in der Kita Stellingen aus, wenn die elbzwerge draußen modellieren: nicht kneten am Fensterbrett, sondern gießen, zielen und zuschauen.
Wer genau hinsieht, sieht vor allem Hände. Den Pinzettengriff am Löffelstiel. Das Kippen der Hand, bis die Masse in die Mulde rutscht. Das kurze Innehalten, ob noch Platz ist. Solche Bewegungen klingen alltäglich, und genau deshalb sind sie wertvoll. Forschende an der Universität Konstanz beschreiben Handgeschicklichkeit bei Kita-Kindern als jene präzisen Hand- und Fingerbewegungen, die später unter anderem beim Zählen mit den Fingern und frühen Rechenwegen eine Rolle spielen. Basteln, Auffädeln, Kneten und Gießen üben genau das. Die AOK fasst für Eltern zusammen: Feinmotorik wächst im Spiel, nicht in trockenen Fingerübungen. Bei uns heißt das: Löffel, Form, Tropfen, fertig.

Dann kommt das Material selbst. Aus dem Beutel rieselt Pulver. Mit Wasser wird es flüssig. In der Form wird es fest, manchmal sogar spürbar warm. Die Kunstpädagogin Beate Honer-Rogge erklärt bei KiKA, warum Kinder das so mögen: Sie wollen anfassen und die Zustände erfühlen. Was am Ende herauskommt, ist zweitrangig. Der Bildungsplan Baden-Württemberg nennt Gips ausdrücklich unter den elementaren plastischen Materialien, die Kinder erproben sollen: formbar oder fest, aufbauend oder gießend, immer im haptischen Kontakt. Genau das passiert am Stellingener Gartentisch. Die Kinder sehen Chemie ohne Labor. Sie sehen, dass Stoff sich ändert, weil jemand etwas dazu tut.

Warum Insekten? Weil sie nah sind. Im Hochbeet, am Zaun, auf dem Holzschnitzelboden. Die Form macht daraus ein greifbares Motiv: nicht abstrakte Kunststunde, sondern wir gießen eine Biene. Und warum draußen? Weil der Wasserhahn an der Wand ist, weil Folie und Küchentücher Platz haben, weil Kleckern hier nicht den Gruppenraum lahmlegt. Der Garten wird für eine Stunde zur kleinen Werkstatt. Ein Kind gießt, ein anderes schaut, ein drittes wischt. Gemeinsam heißt: warten lernen, ohne dass jemand eine Moralpredigt hält.
Mehr zu unserem Blick auf Gestalten, Spiel und Alltag steht in unserem Konzept. Eltern in Stellingen sehen an solchen Tagen vor allem eines: Kinder, die stolz eine unebene Gipsbiene hochhalten und wissen, dass sie selbst den Löffel geführt haben.

Löffel, Insekt, Aushärten: so modellieren die elbzwerge im Freien. Lust, den Alltag bei uns live zu sehen? Mehr zur Kita Stellingen und gerne einen Platz vormerken.